Tour For Life – Die Initialzündung

Auf dem Weg nach Österreich, oder wie alles begann

Initialzündung

Von München nach Salzburg und zum Königssee

Nach meiner dritten Operation am 26.05.2014 aufgrund eines Re-Rezidivs und vor der geplanten Strahlenbehandlung, entschloss ich mich kurzerhand das Heft in die Hand zu nehmen und die erste Etappe meiner persönlichen Tour For Life von München nach Graz (Steiermark/Österreich) zu starten. Was sich als die Initialzündung von Tour For Life herausstellen sollte.

Entgegen aller Vorzeichen

BMC Rad beschädigt

Totalschaden eine Woche vor Tourstart

Noch 10 Tage vor dem geplanten Beginn der Reise, hatte ich jedoch Glück im Unglück. Als ein Auto rückwärts aus einer Ausfahrt fuhr und mich übersah, konnte ich gerade noch rechtzeitig vom Fahrrad springen, so dass ich nicht verletzt wurde.

Zu allem Übel, war mein Fahrrad nun ein Totalschaden und der Frust groß!

Meine Stimmung war entsprechend gedrückt, denn nun schien das Abenteuer in weite Ferne gerückt.

Letztendlich war es mein Vater der mir ausgeholfen und mir sein schickes Trekking-Fahrrad geliehen hat.

Mit dem Fernbus nach München

Der erste Tag am 18. Juli 2014, brachte mich mit dem Fernbus samt Fahrrad nach München.

Dort angekommen musste ich mich erst einmal aus dem Gewusel der Münchner Innenstadt kämpfen. An der Isar angelangt, vorbei am Flaucher begann für mich der Urlaub. Nun ging es durch wunderschöne Landschaft stets entlang der Isar nach Bad Tölz. Zu dem Zeitpunkt noch untrainiert , war die erste Tagesetappe bei 36 Grad im Schatten, eine ziemliche Belastungsprobe. So war ich nach 60km sehr erleichtert, an meinem Ziel angekommen zu sein.

Bad Toelz die erste Nacht

Die erste Nacht

Auch die erste Nacht war nicht die bequemste, statt einem bequemen Bett habe ich die Nacht auf einem Feldbett im Zelt verbracht. Ihr wollt gar nicht wissen, wie es sich auf einem 2m und 70cm breiten Feldbett als 191 cm Mann liegt.

Am nächsten Tag schnell und früh gefrühstückt, ab auf´s Fahrrad, um bei noch angenehmen Temperaturen vorbei am Tegernsee Richtung  Schliersee zu fahren.

Von Bad Tölz zum Schliersee

Am zweiten Tag, lief schon alles etwas besser. Sogar der befürchtete Muskelkater blieb aus. Dafür hing mir die durchwachte Nacht noch lange in den Knochen.

In Bad Tölz ging es dann endlich auf den lang ersehnten Bodensee-Königssee Radweg. Auch heute war es mit 38 Grad nicht minder heiß. Nach anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten und einem alten Herrn mit E-Bike, der nochmal jung sein wollte, kam ich schließlich am Nachmittag an den Schliersee , wo schon das erfrischende Nass auf mich wartete.

Türkisgrünes, kaltes Wasser, 38 Grad. -Ihr glaubt gar nicht wie gut das tat

von München nach GrazDie Suche nach einer Unterkunft gestaltete sich schwieriger als erwartet. Schließlich war Wochenende und das Wetter perfekt. Also wieder auf´s Rad und nochmal 20 km bis zu einer freien Unterkunft fahren. Die ersten 120 km waren somit erreicht. Vollkommen k.o. und nach einem wohlverdienten Hefeweizen fiel ich ins Bett.

Da ich in einem Selbstversorger-Haus übernachtete und kein Frühstück dabei hatte, war ich umso glücklicher, dass mich der auch dort übernachtende Kirchenchor zum Frühstück einlud.

Auch heute lächelte mich das Rad wieder an und versprach eine weitere spannende Tour mit vielen eindrücklichen Augenblicken und besinnlicher Ruhe in der Natur. Nichts als das Geräusch der Fahrradreifen die über den staubigen Schotterweg rollen und der gelegentliche Ruf eines Raubvogel am Himmel. Die anstrengenden Schnaufgeräusche mal ganz ausgenommen. Dazu ein Himmel der im perfekten Blau erstrahlt und das saftige Grün der Natur.

Vom Schliersee nach Prien am Chiemsee

Heute stand mir das erste große Ziel meiner Tour For Life bevor. Der Chiemsee.

Herreninsel Chiemsee

Auf der Herreninsel

Die Wettervorhersage versprach für die kommenden Tage nichts Gutes und so war ich froh, die kommenden zwei Tage am Chiemsee zu pausieren und um mir die Herren- und Fraueninsel anzusehen. Durch Glück fand ich auch eine schöne Pension unmittelbar am See gelegen, wo ich für wenig Geld ein schönes Zimmer samt bequemen Bett und Frühstück bekam.

Bei Temperaturen um 20 Grad und Regen, war ich froh, am nächsten Tag nicht aufs Rad zu steigen. Außerdem waren die Ausflüge auf die Inseln mehr als lohnenswert. Besonders da ich groteskerweise auf der Fraueninsel in einer der kleinsten Privatbrauereien Deutschlands ein ausgezeichnetes Bier bekam.

Auch der abendliche Saunabesuch war wunderbar erholsam. Jetzt konnten sich die Muskeln endlich etwas nach den Strapazen der vergangenen zwei Tage erholen.

Von Prien nach Salzburg

Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich am letzten Tag vor den Toren Salzburgs, mein bis dato bestes Weizenbiert trank.

Salzburg StadtAuch das Wetter war mir  auf der ersten längeren Tagesetappe von 80 km nach Salzburg wieder wohlgesonnen.

Nach einer wunderschönen Strecke entlang der Hausberge am Chiemsee kam ich nach einiger Zeit in Teisendorf an, wo ich das exzellente Wieninger Bier probiert habe. Nun war es nur noch ein Katzensprung über Freilassing nach Salzburg. Überwältigt von Prachtbauten kam ich Salzburg aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Doch als ich im Mehrbettzimmer des Hostels stand, machte sich sehr bald Ernüchterung breit.

Zwar war das Hostel ziemlich zentral gelegen, so dass ich in wenigen Minuten in der Innenstadt war, doch wirklich begeistert war ich von der ganzen Einrichtung nicht. Auch die chinesischen Reisehorden die in Bussen angekarrt wurden, haben mir nicht weitergeholfen.

In Salzburg erwarteten mich gleich mehrere Highlights!!!

Am Koenigssee
Während der kommenden drei Tage in Salzburg wurde der Grundstein für Tour For Life – cycling against cancer gelegt. Noch am ersten Abend entdeckte ich in der Innenstadt die Jedermannbühne von servustv. Nachdem ich mit der Crew abgeklärt hatte, dass ich auch ohne musikalischen Akt auftreten und mein Projekt vorstellen darf, war ich in heller Begeisterung und gleichzeitig ziemlich aufgeregt.
Aber erst nach einer traumhaften Tour bei blauem Himmel und 30 Grad, zum Königssee und Berchtesgaden, hatte ich den Mut zusammen um um 18 Uhr auf die Bühne zu steigen und mein Projekt Tour For Life….. herunterzustammeln. 😉

Von München nach Graz

Von Salzburg nach Graz

Die Jedermannbühne zweiter Anlauf

Nach meinem kläglichen Scheitern beim ersten Auftritt habe ich die Crew gebeten, mir eine zweite Chance zu geben. Ausnahmsweise durfte ich also um 22 Uhr ein zweites Mal auf die Bühne. Jetzt waren auch mehr als drei Zuschauer anwesend, da die Acts zuvor richtige Highlights waren.

Mit dem Rad auf der Bühne und etwas sicherer, aber noch aufgeregt genug, ging es nun live zur Sache.

Ihr glaubt gar nicht wie ich gefeiert habe, als ich die Präsentation hinter mir hatte und Tour For Life das erste Mal in der Öffentlichkeit vorgestellt hatte.
Auch am kommenden Tag konnte ich das Rad nicht ruhen lassen und machte mich bei strahlendem Sonnenschein entlang des Mozartradweges auf den Weg zum Obertrum- und Wallersee.

Die Königsetappe

Heute ging es für mich voller Vorfreude immer entlang der tütkisblauen Salzach vorbei an Hallein in Richtung Graz.

Doch zuvor musste ich noch über den Obertauern auf 1750m. Dass auf der ersten richtigen Bergetappe auch noch anfing wie aus Kübel zu schütten, machte die heutige Etappe nicht angenehmer.

Das erste Opfer der Tour

Der erste platte ReifenZu allem Übel sollte ich kurz zuvor auch noch meinen ersten Platten haben. Hätte ich nicht eine knappe Stunde für die Reparatur und Neuanschaffung eines Schlauchs gebraucht, wäre ich vieleicht noch bei gutem Wetter auf den Berg gekommen. Aber hätte, wenn und aber,…

Also Zähne zusammenbeißen und durch.

Zwar hatte ich vor, an diesem Tag zwei Tagesetappen an einem Tag zu schaffen, doch völlig durchnässt und entkräftet entschloss ich mich kurzerhand die nächste Unterkunft anzusteuern. Durch Glück gelang ich an das Familienhotel Felseralm, wo man extra für mich Tour und Tür öffnete, weil eigentlich geschlossen.

Um den Tag mit einem perfektem Abendessen abzuschließen, wurde sogar noch der Kachelofen angemacht.

Der beschwerliche Weg lohnte sich

Wildsee

Wildsee auf 1950m

Dass ich nicht wie anfänglich beabsichtigt den Bus über den Obertauern genommen habe, hat sich gleich in zweifacher Hinsicht gelohnt. Zum einen hätte ich nicht zwei einmalige Tage inmitten der schönsten Berglanschaft umgeben von 3000`ern verbracht. Und ich hätte nicht das Hochgefühl erlebt es aus eigenen Kräften auf die 1750 m zu schaffen.
[pullquote style=”right”]Einer der eindrücklichsten Tage der Tour[/pullquote]
Den kommenden Tag nutzte ich als Auszeit und unternahm eine halbtägige Wanderung zu dem auf einer Hochalm und von einer reichen Bergflora umgebenen Wildsee auf 1950 m.

Noch rechtzeitig vor dem nächsten Gewitter gelangte ich wieder an die Felseralm, wo erneut ein schmackhaftes Essen mich erwartete.

Wieder gestärkt und nach zwei erholsamen Nächten in einem Einzelzimmer statt in einem Mehrbettzimmer in der Jugendherberge, verkleidete ich mich am nächsten Morgen als Fahrradschlumpf und nun ging es nur noch bergab in Richtung Murau, wo mich der Weg entlang der Mur in Richtung Graz bringen würde.

Vom Obertauern nach Murau

Felseralm

Der Fahrradschlumpf

Mit 71 km/h ging es rasant in Richtung Steiermark. Im Regen gestartet, kam nach und nach wieder die Sonne hervor und sorgte für feucht-schwüle Umgebungstemperaturen. In der Ebene angelangt, fuhr ich entlang der Mur. Hier machte ich Bekanntschaft mit Andy, Dorothea und ihrem Hund Diego der im Anhänger mitfahren durfte. Schließlich in der schönen mittelalterlichen Stadt Murau angelangt, begab ich mich auf die Suche nach einem Zimmer und landete bei einer leidenschaftlichen Jägerin im Haus Rotraud. Hier wurde ich herzlich mit einem Stück Kuchen empfangen.

Endlich Schmarrn für den Kaiser!

Am heutigen Abend gab es endlich nach sechs Tagen Österreich den ersten verdienten Kaiserschmarrn beim Bärenwirt.

Persönlicher Distanzrekord!

Auf der Strecke von Murau nach Graz, die laut Planung für drei Tage ausgelegt ist, habe ich aus Flucht vor dem schlechten Wetter mit 120 km an einem Tag  meinen persönlichen Rekord aufgestellt. Die lange Strecke war auch wahrscheinlich dadurch bedingt dass ich mit vier Radler während der Tagesetappe einen weiteren persönlichen Streckenrekord aufgestellt habe. Schlußendlich kam ich um 23 Uhr in Graz an, was die Orientierung  in einer Großstadt sowie die Suche nach dem Hostel nicht einfacher gestaltete.
[pullquote style=”left”]Jetzt wußte ich warum Radler Radler heißt[/pullquote]
Nach 12 Tagen und 815 km war ich schließlich am vorläufigen Ende meiner Tour For Life angelangt.