Radfahren an der Ostsee

Ein Rückblick auf die Ostseetour Berlin-Usedom-Kopenhagen

Abfahrt am Alex

Die erste große Tour in 2016 startete erneut in Berlin, dem für mich „entgegengesetzten Ende von Deutschland“. Was ich auf dieser traumhaften Tour entlang der Ostsee erlebte und welche besonderen Begegnungen und Erlebnisse ich machte, erfahrt ihr hier.

Auf der 10-stündigen Hinfahrt, die ich unwissentlich auf den Herrentag gelegt hatte, wurde der Liegewagen, in dem sich mein viel zu kleines Bett befand, lautstark von der Freiwilligen Feuerwehr Au unterhalten. Gegen zwei Uhr morgens schien die feucht-fröhlich Feier ein Ende zu nehmen, so dass an Schlaf kaum zu denken war. Entsprechend übermüdet kam ich am frühen Morgen in Berlin an.
Die knapp dreiwöchige Tour begann bereits am ersten Tag mit bestem Wetter, Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen. Auch wenn die Nächte Anfang Juni noch ziemlich frisch waren, war es lediglich an zwei Tagen durch Starkregen und Hagel zum Zelten ungemütlich.

Die Tour beginnt

Nach einem Streifzug durch die Hauptstadt, durfte ich mein Schlafdefizit bei herzlichen Gastgebern die ich via warmshowers.org angefragt hatte, nachholen. Wie ihr seht, fand schon bald die wahre Erholung inmitten der eindrucksvollen Landschaft statt.

Rapsfelder

Leuchtend gelbe Rapsfelder soweit das Auge reicht

Zuvor starteten wir gestärkt und mit großer Vorfreude, zu fünft auf die erste Tagesetappe von Berlin nach Joachimsthal.

Ich, Sven-Marx und Heino

Ich, Sven-Marx und Heino

Heino, der mit seinen 76 Jahren ein unglaubliches Tempo an den Tag legte, begleitete mich noch auf den weiteren Tagen, nachdem die anderen Mitfahrer leider alle wieder am selben Tag aus Zeitgründen zurückfahren mussten.

Die erste Nacht im Zelt verbrachten wir am traumhaften Hellsee, wo ich mein erstes Bad während dieser Tour nahm, -viele weitere sollten folgen.
Am nächsten Tagen stieß Sven Marx, -der Globetrotter, zu uns und ließ uns auf den nächsten Kilometern an seinen Erfahrungen aus Touren durch 27 Länder teilhaben.

Durch die Uckermark und Schorfheide waren es hauptsächlich der intensive Geruch des leuchtend-gelb blühenden Raps sowie die vielen Seen die wir passierten, welche die Strecke prägten.

 

Usedom und die drei Kaiserbäder

Nach drei Tagen erreichten wir nach einem Abstecher ins polnische Swinemünde das erste Ziel der Tour Berlin-Usedom-Kopenhagen.
Für alle, die auf der Insel einen einmaligen Zeltplatz mit unscheinbarer Sterneküche suchen, kann ich den Zeltplatz Nandalee am Schmollensee ans Herz legen.
[pullquote style=”right”]Ostsee in Sicht[/pullquote]

Usedom selbst, bzw. die recht monotone Promenade hat mich nach den vorangegangenen Kilometern durch traumhafte Natur eher enttäuscht.

Berlin-Usedom-Kopenhagen

Wechselhaftes Wetter an der Ostseeküste

“Es sind die Begegnungen mit Menschen die das Leben lebenswert machen.”
Dieser Satz beschreibt die bleibenden Einrücke meiner Tour von Berlin nach Kopenhagen.
In Greifswald verabschiedete ich mich schließlich auch von Heino, der eine Rügen-Rundtour an unsere gemeinsame Fahrt anschloss.
Greifswald überraschte mich mit seiner gut-erhaltenen Altstadt und dem Fischerdörfchen Wieck.
Nach den Nächten im Zelt, war es wieder einmal besonders schön, auch hier die Gastfreundschaft von Marc und seiner Freundin genießen zu dürfen.

Im Foscherdörfchen Wieck, Verabschiedung von Heino

In Wieck, -Verabschiedung von Heino.

So langsam schien die Ostseeküste in greifbarer Nähe. Zuvor musste ich jedoch noch etwas cheaten und von Greifswald bis Stralsund aufgrund der schlechten Wegbeschaffenheit 30 km mit dem Zug abkürzen.

Unerwartete und schöne menschliche Begegnungen

An diesem Tag durfte ich einen der schönsten und geselligsten Abende während der gesamten Tour erleben. Kurz vor dem Tagesziel, entschied ich mich spontan dazu, an einem Haus zu klingeln und zu fragen, ob ich in ihrem Garten mein Zelt aufschlagen dürfte.

Am Oberuckersee

Wie sich herausstellt, sollte mein Zelt an diesem Abend nicht das Einzige bleiben.
Denn heute war der Tag, an dem wie stets an Pfingsten, knapp 30 Freunde mit Kind & Kegel eingeladen wurden, um ein gemeinsames rauschendes Fest zu feiern und den Geburtstag des Gastgebers zu zelebrieren.

Landzunge und Naturschutzgebiet Darß

Diana, die sich durch das rad-forum angekündigt hatte, stieß am nächsten Tag dazu und sollte mich auf den kommenden zwei Tagen der Ostseetour bis zum Ziel, Rostock, begleiten. Durch kleine verträumte Fischerdörfchen fahrend, verliebte ich mich sofort in diesen wunderbaren Flecken Erde.

Noahs Boat

Passend zu dem am einsetzenden Kältesturz mit Regen und Hagel, durfte ich mit den Jungs der Band Noahs Boat, einen weiteren großartigen Abend verbringen.
Ein hervorragendes Live-Konzert rundeten den Abend auf dem Darß ab.

Radfahren entlang der Ostseeküste

Mit der Fähre ging es schließlich nach Warnemünde und weiter bis Rostock. Nach einer Nacht im Hostel verabschiedete sich Diana, die wie geplant weiter bis Lübeck fahren würde.

Leuchtturm in Warnemünde

Leuchtturm in Warnemünde

In Rostock konnte ich bei Bekannten übernachten und die Gegend rund um Warnemünde erkunden, bevor mich am übernächsten Morgen die Überfahrt nach Dänemark erwartete.

Zwei Stunden Fährfahrt und mit lediglich sieben Euro weniger in der Tasche, musste ich erst einmal feststellen, wie teuer Dänemark im Vergleich zu Deutschland ist.
Die Landschaft auf Lolland schien hier der auf der deutschen Seite sehr ähnlich und so stellten sich leider vorerst nicht die erhofften Urlaubsgefühle ein.

Eine Begegnung mit Gleichgesinnten vor einem deutschen Discounter

Wie das Leben so spielte, fielen mir vor dem bekannten Discounter mit den vier Buchstaben in Stubbekobing zwei voll-bepackte Reiseräder, offensichtlich deutscher Herkunft auf. Nachdem die Chemie passte, entschieden wir uns die Nacht gemeinsam auf dem Zeltplatz zu verbringen und noch die Kalkklippen Mons-Klint zu besichtigen. Nachdem die Zelte aufgebaut waren, machte ich mit Nico und Carin auf dem Weg zu dem Unesco-Weltnaturerbe.

Mons-Klint

Beeindruckende Kreideklippen in Mons-Klint

Johanna die mir angebotenen hatte während meiner Zeit in Kopenhagen bei ihr zu übernachten, begleitete mich am übernächsten Tag ab Faxe (Herkunft des Faxe-Biers) bis nach Kopenhagen.
Da die Strecke für eine Tagestour zu lange gewesen wäre, kürzte ich auch hier wieder etwa 30 Kilometer mit dem Zug ab. Doch zuvor machten wir auf dem Weg noch einen Abstecher zu den Kreideklippen in Stevns-Klint.

Stevns-Klint

Stevns-Klint,- 1928 stürzten Teile der Kirche und des Friedhofs ins Meer

Die Kirche die unmittelbar an der Steilküste gebaut ist, ist geschichtsträchtig, da Anfang des 20. Jahrhunderts der Chor bei einem Abbruch der Klippen im Meer verschwand.

Ankunft in Kopenhagen

Schließlich war es soweit und genau zwei Wochen nach dem Start in Berlin tauchten die ersten Umrisse von Kopenhagen vor mir auf.

Kopenhagen Rad

Kermit in guter Gesellschaft

Es war ein seltsames Gefühl nun am Ziel meiner Tour angelangt zu sein.
So beschloss ich nach dem nächsten Tag an dem ich einen ersten Streifzug durch die vom Salzwasser umgebene Stadt unternahm, erneut meine Taschen zu packen und einen Ausflug nach Roskilde zu unternehmen und hier am Fjord wild zu zelten.

Eine Nacht am Fjord

Dieser Ausflug war ein weiteres Highlight meiner Tour und der eindrucksvollste Tag in Dänemark.
Roskilde mit seiner mittelalterlichen Altstadt, dem bekannten Vikingermuseum und dem nahgelegenen Fjord, hat mich sofort begeistert.

Zwar war es die Nacht hinsichtlich der Mücken auch nicht viel angenehmer, dafür begegnete ich einer Herde Rehe und konnte erleben, wie ein riesiger Schwan auf dem Wasser direkt neben meinen Zelt seinen Flug startete.

Haus in Christiania

Haus in Christiania

Christiania ein abgefahrener Freistaat

Zurück in Kopenhagen, freundete ich mich schließlich doch noch mit der Großstadt ab und war fasziniert von der prunkvollen Architektur und dem Freistaat Christiania der inmitten der Stadt im Stadtteil Christianshavn liegt.

Hier geht es bunt zu und besonders die unbeschwerte Offenheit der Christianier, die selbst gezimmerten Häuser und der verhältnismäßige günstige Kaffee sowie kostenlose Live-Konzerte bleiben mir positiv in Erinnerung. Leider wird der Eindruck etwas von den Touristen aus der ganzen Welt getrübt, die hierher kommen um sich, in dem an Amsterdam erinnernden, sogenannten Green-Light-District, einem Kiffer-Paradies, auszuleben.

Freiburg, -geliebte Heimat

Am darauffolgenden Tag sollte mein Zug in Richtung Heimat starten. Verständlicherweise war meine Vorfreude auf die 17-stündige Zugfahrt eher mäßig.

Durch ungeplante Umstiege und Baustellen auf der Strecke, hatte ich den Nachtzug von Hamburg nach Freiburg innerlich bereits abgehakt.

Trotz des Endhaltes in Hamburg-Altona statt Hauptbahnhof, konnte ich auf den letzten Drücker noch in den wartenden City-Night-Line steigen und meine Kajüte beziehen. Im Gegensatz zur Hinfahrt ging es in dieser Nacht, wenngleich die Betten genauso klein waren, wesentlich ruhiger zu.
Camping Gedser

Mit vielen bleibenden Erinnerungen, war ich um 5:30 Uhr zurück in Freiburg. Auch hier lächelte wieder die Sonne und ich genoss die frühmorgendliche Tour zurück in meinem altbekannten Naturidyll hier in Freiburg-Kappel.

Nun freue ich mich schon auf die Ende Juli bevorstehende Tagestour in der Fränkischen-Schweiz, die geplante Alpenüberquerung entlang der via-claudia im September und kleinere Touren rund um Freiburg.

Berlin-Kopenhagen Rostock

Besonders in Erinnerung bleiben mir die herzlichen zwischenmenschlichen Begegnungen, die traumhaften Landschaften, das fabelhafte Essen sowie die ruhigen Nächte im Zelt.

Danke für’s Lesen und Teilen!