Ein neues Leben-Diagnose Gehirntumor

Mit Tour For Life Hoffnung schenken und Mut machen

Mit 24 Jahren, im Februar 2008, hat sich mein Leben radikal verändert.

Diagnose Gehirntumor

Das bin ich, Christian Erhard (*08.08.1983)

Gleichzeitig wurde mir ein neues Leben geschenkt.

Innerhalb von sechs Jahre wurde ich dreimal operiert. Im März 2008, im Mai 2010 und zuletzt am 26. Mai 2014.

Jedes Mal wurde mir der Kopf aufgemacht und ein Stück vom Gehirn entfernt. So grausam es klingt, aber ich bin unendlich dankbar, dass alles so gut verlaufen ist und ich heute diese Zeilen für euch schreiben kann. Dass ich ohne Lähmung aktiv am Leben teilnehmen kann, ist wunderbar.

Ich freue mich riesig das Projekt Tour For Life – cycling against cancer ins Leben zu rufen, die Welt mit dem Fahrrad zu bereisen und euch neuen Lebensmut, Hoffnung und Kraft zu geben.

Im Schwimmbad – Ohnmächtig am Beckenboden

Alles begann, als ich im Rahmen der Prüfungen für das DLRG Rettungsschwimmerabzeichen am Beckenrand im Westbad Freiburg zu mir kam, die Sanitäter über mir standen und mich fragten, ob ich wüsste, was gerade passiert sei.

Im Interview vom 18.07.2014 mit dem Online-Magazin der Badischen Zeitung erfahrt ihr noch mehr über mein Schicksal.

Ohne DLRG wäre ich heute nicht hier

Wie mir die Sanitäter und Helfer mitteilten, hätte ich nach einem epileptischen Anfall bewusstlos auf dem Beckenboden gelegen und die Rettungsschwimmer haben mich aus dem Wasser gerettet.

Die Diagnose: Astrozytom

Gehirntumor

MRT-Aufnahme

Und ab hier beginnt dann die unglaubliche Geschichte.

Im Laufe der Untersuchungen, MRT und CT, hat man festgestellt, dass in meinem Gehirn etwas gewachsen ist,  das da nicht hingehört.

Gehirntumor – Erste Reaktion – Verdrängung

Nach der Diagnosestellung und den mitfühlenden Worten des Neurologen „Sie haben da einen Tumor so groß wie eine Mandarine„. Fragte ich ihn erstmal, ob er eine Clementine oder eine kleine Mandarine meine.

Im Nachhinein war es leichtsinnig, dass ich die Diagnose nicht ernst nahm und erstmal so weiter machte wie bisher.

Ohnmacht gegenüber der Krankheit

Das schlimmste für mich war aber weniger der Gedanke einen Tumor (= lat. = Geschwulst) im Kopf zu haben, als vielmehr die Tatsache ohnmächtig zu sein. Den Krampfanfällen die immer wieder in unregelmäßigen Abständen auftraten, hilflos ausgeliefert zu sein und die Kontrolle über den eignen Körper zu verlieren. Die Anfälle haben mir letztendlich sehr deutlich gezeigt, dass es ohne Behandlung so nicht weitergehen kann.

Gehirntumor – Hilfe suchen

Durch anfänglicher Angst und Skepsis gegenüber einer schulmedizinischen Behandlung, sprich einer OP und starken Medikamenten, suchte ich nach Alternativen. Dieser (Irr-) Weg führte mich von Familienaufstellung über Neue Germanische Medizin bis hin zu drastischer Ernährungsumstellung und Psychotherapie.

Die Situation spitzt sich zu

Nachdem die Krampfanfälle aber schlimmer wurden und häufiger aufgetreten waren, wurde ich notfallmäßig in die Klinik eingeliefert, wo man für mich daraufhin bereits in wenigen Tagen eine OP geplant hatte.

Innerhalb der Tage vor der OP wurde meine Angst vor dem Eingriff immer größer und so suchte ich seelische Unterstützung bei einem Pfarrer des Camelitanerordens. Dieser gab mir viel Kraft und Zuversicht für die bevorstehenden Tage während und nach der Operation.

Der erste Gedanke – ÜBERLEBT!

Als ich mit einem drastisch brummenden Kopf am nächsten Morgen in der Intensivstation erwachte, wusste ich anfangs nicht wo ich bin. Der Pfleger war aber so nett und versorgte mich in den nächsten Stunden mit den entsprechenden Schmerzmitteln (Opiaten).

Vier Wochen nach der Operation begann die Anschlußheilbehandlung in Konstanz. Die Zeit dort konnte ich gut nutzen um wieder auf die Beine zu kommen. Wer schon mal dort war, weiß, dass Konstanz eine schöne Stadt ist. Da ich im Sommer da war, konnte ich auch das ein oder andere Mal kurz ins Wasser springen. Aber die Angst schwamm immer mit.

Medikamente in Höchstdosis

Da durch die Narbe im Gehirn wieder Anfälle auftreten konnten, Medikamentewurde ich in den kommenden Wochen nach der OP quasi mit Medikamenten (Antiepileptika) bis oben hin vollgestopft. Die entsprechenden Nebenwirkungen blieben natürlich nicht aus. Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Unruhe waren nun meine Begleiter.

Aber auch der Körper selbst, musste sich an die bitteren Pillen gewöhnen und so waren anfänglich meine Leberwerte stark erhöht.

Nach Gesprächen mit mehreren Neurologen und ständigem wieder Aufrollen de Krankheitsgeschichte, mussten die Präparate letztendlich dreimal gewechselt werden. Blue and yellow, purple pills,…

Der herbe Rückschlag – Anfälle traten trotzdem auf

Trotz der ganzen Medikamente, hatte ich etwa ein Jahr nach der OP erneut einen epileptischen Anfall. Nach dem anfänglichen Hoch und dem knappen Jahr ohne Anfälle war es im Frühling 2009 wieder soweit, dass ich im Treppenhaus erneut einen Anfall erlitt. Also wieder Sanitäter und ein Tag im Krankenhaus. Gott sei Dank bin ich nicht die Treppe herunter gefallen und habe mich nicht schwer verletzt.

Daraufhin wurden die Medikamente erneut gewechselt und mittlerweile hatte ich fast alle Farben des Regenbogens durchprobiert.

2010 – Alles wieder auf Null

Magnetresonanztomographie
Nach einer Gehirntumoroperation muss man sich in regelmäßigen, meist 6-monatigen Abständen einer Verlaufskontrolle (MRT-Untersuchung) unterziehen. Das bedeutet 20-40 Minuten in einer engen Röhre zu liegen, während um einen herum die Magnete lautstark hämmern.
Gleichzeitig bekommt man noch über die Vene ein Kontrastmittel injiziert, damit der Tumor auf den Bildern besser erkennbar ist.

In meinem Fall hat man in den Aufnahmen von Januar 2010 ein Rezidiv festgestellt!!!

Jetzt ging es mir wieder so richtig dreckig!

Denn das bedeutete unweigerlich die ganze Prozedur noch ein Mal in Kauf nehmen zu müssen. Nur dieses Mal wollte ich auf Nummer sicher gehen und begab mich auf die Suche nach dem besten Gehirnchirurg im Umfeld. Nach einigen Recherchen kamen Professor Zentner (Uniklinik Freiburg) und Professor Tatagiba (Uniklinik Tübingen) in die engere Auswahl. Nachdem ich mit beiden ein Gespräch geführt hatte, habe ich mich letztendlich für Tübingen entschieden.

Hier war im Prinzip das Prozedere bekannt und ich wusste mehr oder minder worauf ich mich einlasse. Da der Tumor ziemlich nah am motorischen Kortex liegt, stand die Gefahr einer halbseitigen Lähmung stets im Raum.

Doch auch dieses Mal und mit weniger Opiaten hatte ich die OP gut überstanden.

Danach wieder fünf Wochen Reha in Konstanz und nun wollte ich vieles in meinem Leben verändern.

Von der IT zur Logopädie

Christian Erhard

Geschafft! Examen 2013

Schon lange spürte ich, dass mir der Beruf des IT-Systemkaufmanns nicht die erwünschte Erfüllung gibt. Da in mir immer mehr der Gedanke aufkam, dass der Seelenfrieden auch einen entscheidenden Einfluss auf die körperliche Gesundheit hat, entschloss ich mich kurzerhand dafür ab sofort in einem Beruf tätig zu sein in dem ich Erfüllung finden und unmittelbar mit Menschen zusammenarbeiten würde.

17 Frauen, zwei Männer und drei Jahre Schulbank zum Staatsexamen

Durch eine Umschulungsmaßnahme der Deutschen Rentenversicherung hatte ich die Möglichkeit meinen Wunsch zu verwirklichen und drückte ab Oktober 2010 nochmals für drei Jahre die Schulbank. Auch wenn in vielen Lehrbüchern die männliche Form der Logopädin fehlt, war es trotzdem eine schöne Zeit. 🙂

Als es Mitte 2013 auf die Abschlussprüfungen zuging, kam die nächste Hiobsbotschaft!

Aller „guten“ Dinge sind drei

Nachdem die Verlaufskontrollen von 2010 bis im Januar 2013 stets „sauber“ waren und ich mich wieder rundum gesund fühlte, rechneteich nicht damit, dass mir der Radiologe beim Betrachten der Aufnahmen entgegenete, „Herr Erhard, ich muss Ihnen leider mitteilen, dass hier möglicherweise ein Rezidiv zu erkennen ist.“

„Ja leck mich doch am ….!!!“ dachte ich mir

Die Diagnose wurde quasi genau im Zeitraum der Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen gestellt!

Da ich natürlich nicht die letzten drei Jahre für umsonst gemacht haben wollte, habe ich ausgehalten. Ausgehalten auch die neuerlichen Anfälle, die nun vor allem  in Verbindung mit dem Lernstress auftraten.

[pullquote style=“right“]Thailand und Neuseeland[/pullquote]

Nachdem ich dann im Oktober 2013 die Prüfungen erfolgreich absolviert hatte, habe ich eine dritte OP weiterhin erfolgreich verdrängt. Jetzt stand für mich erstmal auf dem Plan die langersehnte Reise nach Thailand und Neuseeland zu unternehmen.

Die Flugtickets waren schon gekauft und Anfang Januar sollte es endlich losgehen!

Doch an Weihnachten 2013, ich war gerade bei den Eltern meiner damaligen Freundin, traten die Anfälle wieder häufiger auf. Jetzt wäre es erst recht unvernünftig gewesen sich in ein Flugzeug zum anderen Ende der Welt zu setzen, wo ich die Sprache nicht spreche und die medizinische Versorgung nicht vergleichbar mit der deutschen ist.

2014 – Wie also weitermachen?

Jetzt wisst ihr vielleicht warum ich eingangs „Unglaubliche Geschichte“ geschrieben habe.

Nach langem hin und her. Beratungen, Chefarztgesprächen, Zweit- und Drittmeinungen, standen als Optionen eine direkte Protonenbestrahlung, eine dritte Operation oder eine Chemotherapie im Raum.

Chemotherapie, Bestrahlung oder dritte OP???

Zuvor war ich der Bestrahlung und Chemo stets mit einer sehr gesunden Skepsis begegnet. Aber nun schienen es die einzig erfolgsversprechenden Maßnahmen.

Im Prinzip hatte ich mich innerlich schon für die fortschrittlichste Form der Bestrahlung, der Protonentherapie in Heidelberg am HIT durchgerungen.

Alles eine Frage des Geldes

Da die Vorteile dieser Methode noch nicht ausreichend belegt sind, stellte sich der Medizinische Dienst (MDK) der Krankenkasse, der die Behandlung bewilligen muss erstmal quer!

Schließlich mussten wir über einen Zeitraum von vier Monaten bis in die höchste Instanz Widerspruch einlegen, bis die Therapie schlussendlich genehmigt wurde.

Da mir die Zeit aber langsam davon zu rennen schien, ging ich zu einer weiteren Konsultation in die Uniklinik Freiburg. Dort empfahl man mir, mich doch noch ein drittes Mal unters Messer zu legen, wodurch man den Tumorherd verkleinert, so dass eine Bestrahlung gezielter und mit weniger Nebenwirkungen erfolgen kann.

Nach langem hin und her entschied ich mich doch für die OP, aber ausschließlich in den Händen des besten Operateurs. Da ich mich dieses Mal in Freiburg in Nähe meiner Familie und Freunde behandeln lasse wollte, hat am 26.05.2014 Professor Zentner Hand angelegt.

Das erste Mal im Rollstuhl

Nachdem ich die erste und zweite OP gut überstanden hatte und auch innerhalb von einer Woche wieder auf den Beinen gestanden war, war die dritte OP mit mehr Nebenwirkungen verbunden. Nun war meine linke Körperhälfte geschwächt (Pseudolähmung) und so machte ich das erste Mal Erfahrungen im Rolli. Den Rolli-Führerschein habe ich aber mit Note 1 bestanden und schon nach wenigen Tagen konnte ich wieder die ersten Schritte laufen.

[pullquote style=“left“]Schritt für Schritt Richtung Genesung[/pullquote]

Im wahrsten Sinne Schritt für Schritt kam ich wieder auf die Beine. Nachdem ich die ersten zwei Wochen ständig mit dem Kreislauf kämpfte, konnte ich nach drei Wochen die ersten 20 Meter laufen. Aber ich gab den Mut nicht auf und steigerte mich schließlich innerhalb von zwei Wochen auf einen halbstündigen Spaziergang.

Schlossberg Graz

Am Ziel! Graz

Und siehe da!

Tour For Life ist geboren

Für irgendetwas musste das ganz Leid doch gut sein!?!

Ich war immer schon ein Mann der von einer ständigen Fernsucht und Reiselust gepackt war. Das Radfahren ist mein großes Hobby und nun galt es für mich diese zwei Dinge mit der Suche nach dem den Sinn meiner Leidensgeschichte zu verbinden. Ja, das war die zündende Idee! „Ich verbinde meine Reiselust und das Fahrradfahren mit dem guten Zweck, um allen die selbst von Krebs betroffen sind neuen Lebensmut zu geben. Gleichzeitig kann ich mit Spendengeldern krebskranken Kindern helfen und die Krebs-Forschung unterstützen!“

Inspiriert durch die Projekte Guts for Change und Euroadtrip, war für mich klar, dass ich nun die Zeit vor der Bestrahlung nutzen musste um Tour For Life zu initiieren!

-Bereits zwei Monate nach der OP konnte ich mit dem Fahrrad über 800 km von München nach Graz fahren.

Das nächste Kapitel – Protonentherapie

Heute habe ich den ersten Tag der Protonentherapie am HIT hinter mir.

Diese Form der Bestrahlung ist die schonendste und präziseste die es zur Zeit gibt. Selbst von außerhalb Euopas kommen Patienten nach Heidelberg um sich hier behandeln zu lassen.

Was schade ist, ist die Tatsache, dass ich mich selber nach dieser Form der Therapie erkundigen musste. Hätte ich zuvor schon von der Hirntumorhilfe e.V. gehört, hätte ich mich dort unabhängig und professionell beraten lassen können.

Update: 27.09.2014

Diese Woche habe ich die Bestrahlung an der Kopfklinik in Heidelberg hinter mich gebracht. Mir geht es weiterhin gut. Zwar sind mir die Haare an einzelnen Stellen ausgefallen, aber dennoch habe ich in dieser Zeit weiterhin viel Sport gemacht und Rad gefahren.

Ein neues Leben-Diagnose Gehirntumor

Mit Tour For Life Hoffnung schenken und Mut machen

Mit 24 Jahren, im Februar 2008, hat sich mein Leben radikal verändert.

Christian Erhard

Das bin ich, Christian Erhard (*08.08.1983)

Gleichzeitig wurde mir ein neues Leben geschenkt.

Innerhalb von sechs Jahre wurde ich dreimal operiert. Im März 2008, im Mai 2010 und zuletzt am 26. Mai 2014.

Jedes Mal wurde mir der Kopf aufgemacht und ein Stück vom Gehirn entfernt. So grausam es klingt, aber ich bin unendlich dankbar, dass alles so gut verlaufen ist und ich heute diese Zeilen für euch schreiben kann. Dass ich ohne Lähmung aktiv am Leben teilnehmen kann, ist wunderbar.

Ich freue mich riesig das Projekt Tour For Life – cycling against cancer ins Leben zu rufen, die Welt mit dem Fahrrad zu bereisen und euch neuen Lebensmut, Hoffnung und Kraft zu geben.

Im Schwimmbad – Ohnmächtig am Beckenboden

Alles begann, als ich im Rahmen der Prüfungen für das DLRG Rettungsschwimmerabzeichen am Beckenrand im Westbad Freiburg zu mir kam, die Sanitäter über mir standen und mich fragten, ob ich wüsste, was gerade passiert sei.

Im Interview vom 18.07.2014 mit dem Online-Magazin der Badischen Zeitung erfahrt ihr noch mehr über mein Schicksal.

Ohne DLRG wäre ich heute nicht hier

Wie mir die Sanitäter und Helfer mitteilten, hätte ich nach einem epileptischen Anfall bewusstlos auf dem Beckenboden gelegen und die Rettungsschwimmer haben mich aus dem Wasser gerettet.

Die Diagnose: Astrozytom

MRTUnd ab hier beginnt dann die unglaubliche Geschichte.

Im Laufe der Untersuchungen, MRT und CT, hat man festgestellt, dass in meinem Gehirn etwas gewachsen ist,  das da nicht hingehört.

Gehirntumor – Erste Reaktion – Verdrängung

Nach der Diagnosestellung und den mitfühlenden Worten des Neurologen „Sie haben da einen Tumor so groß wie eine Mandarine„. Fragte ich ihn erstmal, ob er eine Clementine oder eine kleine Mandarine meine.

Im Nachhinein war es leichtisinnig, dass ich die Diagnose nicht ernstnahm und erstmal so weiter machte wie bisher.

Ohnmacht gegenüber der Krankheit

Das schlimmste für mich war aber weniger der Gedanke einen Tumor (= lat. = Geschwulst) im Kopf zu haben, als vielmehr die Tatsache ohnmächtig zu sein. Den Krampfanfällen die immer wieder in unregelmäßigen Abständen auftraten, hilflos ausgeliefert zu sein und die Kontrolle über den eignen Körper zu verlieren. Die Anfälle haben mir letztendlich sehr deutlich gezeigt, dass es ohne Behandlung so nicht weitergehen kann.

Gehirntumor – Hilfe suchen

Durch anfänglicher Angst und Skepsis gegenüber einer schulmedizinischen Behandlung, sprich einer OP und starken Medikamenten, suchte ich nach Alternativen. Dieser (Irr-) Weg führte mich von Familienaufstellung über Neue Germanische Medizin bis hin zu drastischer Ernährungsumstellung und Psychotherapie.

Die Situation spitzt sich zu

Nachdem die Krampfanfälle aber schlimmer wurden und häufiger aufgetreten waren, wurde ich notfallmäßig in die Klinik eingeliefert, wo man für mich daraufhin bereits in wenigen Tagen eine OP geplant hatte.

Innerhalb der Tage vor der OP wurde meine Angst vor dem Eingriff immer größer und so suchte ich seelische Unterstützung bei einem Pfarrer des Camelitanerordens. Dieser gab mir viel Kraft und Zuversicht für die bevorstehenden Tage während und nach der Operation.

Der erste Gedanke – ÜBERLEBT!

Als ich mit einem drastisch brummenden Kopf am nächsten Morgen in der Intensivstation erwachte, wusste ich anfangs nicht wo ich bin. Der Pfleger war aber so nett und versorgte mich in den nächsten Stunden mit den entsprechenden Schmerzmitteln (Opiaten).

Vier Wochen nach der Operation begann die Anschlußheilbehandlung in Konstanz. Die Zeit dort konnte ich gut nutzen um wieder auf die Beine zu kommen. Wer schon mal dort war, weiß, dass Konstanz eine schöne Stadt ist. Da ich im Sommer da war, konnte ich auch das ein oder andere Mal kurz ins Wasser springen. Aber die Angst schwamm immer mit.

Medikamente in Höchstdosis

Da durch die Narbe im Gehirn wieder Anfälle auftreten konnten, Medikamentewurde ich in den kommenden Wochen nach der OP quasi mit Medikamenten (Antiepileptika) bis oben hin vollgestopft. Die entsprechenden Nebenwirkungen blieben natürlich nicht aus. Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Unruhe waren nun meine Begleiter.

Aber auch der Körper selbst, musste sich an die bitteren Pillen gewöhnen und so waren anfänglich meine Leberwerte stark erhöht.

Nach Gesprächen mit mehreren Neurologen und ständigem wieder Aufrollen de Krankheitsgeschichte, mussten die Präparate letztendlich dreimal gewechselt werden. Blue and yellow, purple pills,…

 

Der herbe Rückschlag – Anfälle traten trotzdem auf

Trotz der ganzen Medikamente, hatte ich etwa ein Jahr nach der OP erneut einen epileptischen Anfall. Nach dem anfänglichen Hoch und dem knappen Jahr ohne Anfälle war es im Frühling 2009 wieder soweit, dass ich im Treppenhaus erneut einen Anfall erlitt. Also wieder Sanitäter und ein Tag im Krankenhaus. Gott sei Dank bin ich nicht die Treppe herunter gefallen und habe mich nicht schwer verletzt.

Daraufhin wurden die Medikamente erneut gewechselt und mittlerweile hatte ich fast alle Farben des Regenbogens durchprobiert.

2010 – Alles wieder auf Null

Magnetresonanztomographie
Nach einer Gehirntumoroperation muss man sich in regelmäßigen, meist 6-monatigen Abständen einer Verlaufskontrolle (MRT-Untersuchung) unterziehen. Das bedeutet 20-40 Minuten in einer engen Röhre zu liegen, während um einen herum die Magnete lautstark hämmern.
Gleichzeitig bekommt man noch über die Vene ein Kontrastmittel injiziert, damit der Tumor auf den Bildern besser erkennbar ist.

In meinem Fall hat man in den Aufnahmen von Januar 2010 ein Rezidiv festgestellt!!!

Jetzt ging es mir wieder so richtig dreckig!

Denn das bedeutete unweigerlich die ganze Prozedur noch ein Mal in Kauf nehmen zu müssen. Nur dieses Mal wollte ich auf Nummer sicher gehen und begab mich auf die Suche nach dem besten Gehirnchirurg im Umfeld. Nach einigen Recherchen kamen Professor Zentner (Uniklinik Freiburg) und Professor Tatagiba (Uniklinik Tübingen) in die engere Auswahl. Nachdem ich mit beiden ein Gespräch geführt hatte, habe ich mich letztendlich für Tübingen entschieden.

Hier war im Prinzip das Prozedere bekannt und ich wusste mehr oder minder worauf ich mich einlasse. Da der Tumor ziemlich nah am motorischen Kortex liegt, stand die Gefahr einer halbseitigen Lähmung stets im Raum.

Doch auch dieses Mal und mit weniger Opiaten hatte ich die OP gut überstanden.

Danach wieder fünf Wochen Reha in Konstanz und nun wollte ich vieles in meinem Leben verändern.

Von der IT zur Logopädie

Christian Erhard

Geschafft! Examen 2013

Schon lange spürte ich, dass mir der Beruf des IT-Systemkaufmanns nicht die erwünschte Erfüllung gibt. Da in mir immer mehr der Gedanke aufkam, dass der Seelenfrieden auch einen entscheidenden Einfluss auf die körperliche Gesundheit hat, entschloss ich mich kurzerhand dafür ab sofort in einem Beruf tätig zu sein in dem ich Erfüllung finden und unmittelbar mit Menschen zusammenarbeiten würde.

17 Frauen, zwei Männer und drei Jahre Schulbank zum Staatsexamen

Durch eine Umschulungsmaßnahme der Deutschen Rentenversicherung hatte ich die Möglichkeit meinen Wunsch zu verwirklichen und drückte ab Oktober 2010 nochmals für drei Jahre die Schulbank. Auch wenn in vielen Lehrbüchern die männliche Form der Logopädin fehlt, war es trotzdem eine schöne Zeit. 🙂

Als es Mitte 2013 auf die Abschlussprüfungen zuging, kam die nächste Hiobsbotschaft!

Aller „guten“ Dinge sind drei

Nachdem die Verlaufskontrollen von 2010 bis im Januar 2013 stets „sauber“ waren und ich mich wieder rundum gesund fühlte, rechnest Du nicht damit, dass Dir der Radiologe beim Betrachten Deiner Aufnahmen sagt, „Herr Erhard, ich muss Ihnen leider mitteilen, dass hier möglicherweise ein Rezidiv zu erkennen ist.“

„Ja leck mich doch am ….!!!“ dachte ich mir

Die Diagnose wurde quasi genau im Zeitraum der Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen gestellt!

Da ich natürlich nicht die letzten drei Jahre für umme gemacht haben wollte, habe ich ausgehalten. Ausgehalten auch die neuerlichen Anfälle die vor allem  in Verbindung mit dem Lernstress auftraten.

[pullquote style=“right“]Thailand und Neuseeland[/pullquote]

Nachdem ich dann im Oktober 2013 die Prüfungen erfolgreich absolviert hatte, habe ich eine dritte OP weiterhin erfolgreich verdrängt. Jetzt stand für mich erstmal auf dem Plan die langersehnte Reise nach Thailand und Neuseeland zu unternehmen.

Die Flugtickets waren schon gekauft und Anfang Januar sollte es endlich losgehen!

Doch an Weihnachten 2013, ich war gerade bei den Eltern meiner damaligen Freundin, traten die Anfälle wieder häufiger auf. Jetzt wäre es erst recht unvernünftig gewesen sich in ein Flugzeug zum anderen Ende der Welt zu setzen, wo ich die Sprache nicht spreche und die medizinische Versorgung nicht vergleichbar mit der deutschen ist.

2014 – Wie also weitermachen?

Jetzt wisst ihr vielleicht warum ich eingangs „Unglaubliche Geschichte“ geschrieben habe.

Nach langem hin und her. Beratungen, Chefarztgesprächen, Zweit- und Drittmeinungen, standen als Optionen eine direkte Protonenbestrahlung, eine dritte Operation oder eine Chemotherapie im Raum.

Chemotherapie, Bestrahlung oder dritte OP???

Zuvor war ich der Bestrahlung und Chemo stets mit einer sehr gesunden Skepsis begegnet. Aber nun schienen es die einzig erfolgsversprechenden Maßnahmen.

Im Prinzip hatte ich mich innerlich schon für die fortschrittlichste Form der Bestrahlung, der Protonentherapie in Heidelberg am HIT durchgerungen.

Alles eine Frage des Geldes

Da die Vorteile dieser Methode noch nicht ausreichend belegt sind, stellte sich der Medizinische Dienst (MDK) der Krankenkasse, der die Behandlung bewilligen muss erstmal quer!

Schließlich mussten wir über einen Zeitraum von vier Monaten bis in die höchste Instanz Widerspruch einlegen, bis die Therapie schlussendlich genehmigt wurde.

Da mir die Zeit aber langsam davon zu rennen schien, ging ich zu einer weiteren Konsultation in die Uniklinik Freiburg. Dort empfahl man mir, mich doch noch ein drittes Mal unters Messer zu legen, wodurch man den Tumorherd verkleinert, so dass eine Bestrahlung gezielter und mit weniger Nebenwirkungen erfolgen kann.

Nach langem hin und her entschied ich mich doch für die OP, aber ausschließlich in den Händen des besten Operateurs. Da ich mich dieses Mal in Freiburg in Nähe meiner Familie und Freunde behandeln lasse wollte, hat am 26.05.2014 Professor Zentner Hand angelegt.

Das erste Mal im Rollstuhl

Nachdem ich die erste und zweite OP gut überstanden hatte und auch innerhalb von einer Woche wieder auf den Beinen gestanden war, war die dritte OP mit mehr Nebenwirkungen verbunden. Nun war meine linke Körperhälfte geschwächt (Pseudolähmung) und so machte ich das erste Mal Erfahrungen im Rolli. Den Rolli-Führerschein habe ich aber mit Note 1 bestanden und schon nach wenigen Tagen konnte ich wieder die ersten Schritte laufen.

[pullquote style=“left“]Schritt für Schritt Richtung Genesung[/pullquote]

Im wahrsten Sinne Schritt für Schritt kam ich wieder auf die Beine. Nachdem ich die ersten zwei Wochen ständig mit dem Kreislauf kämpfte, konnte ich nach drei Wochen die ersten 20 Meter laufen. Aber ich gab den Mut nicht auf und steigerte mich schließlich innerhalb von zwei Wochen auf einen halbstündigen Spaziergang.

Schlossberg Graz

Am Ziel! Graz

Und siehe da!

Tour For Life ist geboren

Für irgendetwas musste das ganz Leid doch gut sein!?!

Ich war immer schon ein Mann der von einer ständigen Fernsucht und Reiselust gepackt war. Das Radfahren ist mein großes Hobby und nun galt es für mich diese zwei Dinge mit der Suche nach dem den Sinn meiner Leidensgeschichte zu verbinden. Ja, das war die zündende Idee! „Ich verbinde meine Reiselust und das Fahrradfahren mit dem guten Zweck, um allen die selbst von Krebs betroffen sind neuen Lebensmut zu geben. Gleichzeitig kann ich mit Spendengeldern krebskranken Kindern helfen und die Krebs-Forschung unterstützen!“

Inspiriert durch die Projekte Guts for Change und Euroadtrip, war für mich klar, dass ich nun die Zeit vor der Bestrahlung nutzen musste um Tour For Life zu initiieren!

 

-Bereits zwei Monate nach der OP konnte ich mit dem Fahrrad über 800 km von München nach Graz fahren.

Das nächste Kapitel – Protonentherapie

Heute habe ich den ersten Tag der Protonentherapie am HIT hinter mir.

Diese Form der Bestrahlung ist die schonendste und präziseste die es zur Zeit gibt. Selbst von außerhalb Euopas kommen Patienten nach Heidelberg um sich hier behandeln zu lassen.

Was schade ist, ist die Tatsache, dass ich mich selber nach dieser Form der Therapie erkundigen musste. Hätte ich zuvor schon von der Hirntumorhilfe e.V. gehört, hätte ich mich dort unabhängig und professionell beraten lassen können.

Update: 27.09.2014

Diese Woche habe ich die Bestrahlung an der Kopfklinik in Heidelberg hinter mich gebracht. Mir geht es weiterhin gut. Zwar sind mir die Haare an einzelnen Stellen ausgefallen, aber dennoch habe ich in dieser Zeit weiterhin viel Sport gemacht und Rad gefahren.