Ein Rückblick auf die diesjährigen Touren durch Süddeutschland

Vom 03. bis 24.08. war ich für die Tour for Life unterwegs.

Die zwei großen Touren in diesem Jahr sind abgeschlossen und hier möchte ich das Geschehene und meine Eindrücke mit euch teilen.

In 21 Tagen von Heidelberg nach Freiburg und von Freiburg nach Salzburg bzw. Passau und München. Nach den Touren zeigt mein Tacho ein plus von 935 Kilometern und cica 15.000 zusätzlich verbrannten Kalorien (Schätzung de Tachos,- beruhend auf Durchschnitsswerten ohne Gepäck) an.

Rückblick

Auf dem Bodensee-Königsseeradweg (Bregenz Seebühne)

Bei strahlenden Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen, startete die Tour for Life in diesem Jahr am 03. August in Heidelberg am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen, wo ich im September 2014  behandelt wurde.

Der erste Tag war geprägt von einigen, positiven und negativen, Überraschungen.

Die böse Überraschung erlebte ich sogleich am frühen Morgen am Freiburger Busbahnhof, als ich kurz vor der Abfahrt  feststellte, dass ich in der Aufregung meinen Geldbeutel samt Dokumente zu Hause vergessen hatte! Zum Glück sicherte  mir Peter, den ich bereits im Vorjahr bei der Bodensee-Tour kennengelernt hatte, telefonisch zu, dass er mir in Heidelberg Geld leihen könne.

Nun durfte es los gehen und auch die positiven Überraschungen sollten folgen.

Von Heidelberg nach Speyer  NCT Heidelberg

03.08. Start in Heidelberg

Die erste erlebte ich, als ich am Treffpunkt eintraf und dort ein „Tour for Life-Stand“ vor dem Eingang des NCT aufgebaut war.

Die nächste große Überraschung war, dass sich neben Peter, sechs weitere Mitfahrer und Mitfahrerinnen zusammen gefunden hatten. Ganz besonders hat mich gefreut, dass auch Carolin, eine junge Frau, welche durch einen Hirntumor halbseitig gelähmt ist, uns auf dem Tandem ihres Bruders begleitete.

[pullquote style=“right“]Halbseitig gelähmte Frau begleitet uns auf Tandem[/pullquote]
Nachdem auch der Ärztliche Direktor, Prof. Jäger, erschien um mich kennenzulernen, starteten wir gemeinsam um 15 Uhr in Richtung Speyer. Dank Peter, der sich in und um Heidelberg gut auskennt, konnte ich auf mein Navigationsgerät getrost verzichten.  So fuhren wir schlussendlich auch entlang der Kurpfalzroute, welche vermutlich wesentlich schöner ist, als die von mir ausgearbeitete Route.

Radweg - Kurpfalzroute aus openstreetmap.org

Kurpfalzroute (openstreetmap.org) von Heidelberg nach Speyer

Nach 15 Kilometern in der Mittagshitze erreichten wir einen Badesee in der Nähe von Ketsch, wo wir uns bei einem Getränk und einem Sprung ins kühle Nass erfrischen konnten.

Wegen der großen Hitze musste uns Carolin hier leider vorzeitig verlassen, da ihr die Hitze zu sehr zusetzte. -Ihre Eltern hatten dort bereits auf uns gewartet. Doch so hatten wir Gelegenheit uns am Ende der Tagesetappe nochmals von ihr zu verabschieden.

Spontane Routenänderung

Von Speyer nach Straßburg

Am darauffolgenden Tag wartete Matthias mit seinem Crossrad am Dom in Speyer, um uns auf den folgenden Kilometern ein Stück zu begleiten. Matthias ist Triathlet und engagiert sich bei den Athletes for Charity, welche mit ihrem sportlichen Engagement ebenfalls ein vorbildliches Ziel verfolgen und soziale Projekte unterstützen.

Straßburg statt Seltz, 147 statt 78 Kilometer!

04.08. Die längste Tagesetappe bis dato

04.08. Die längste Tagesetappe bis dato

Leider musste Peter, nach knapp der Hälfte der Etappe aussteigen, da ihm das Tempo zu sportlich war und er später auf eine andere Route Richtung Pfalz abbiegen würde.

Als Matthias und ich die ersten 40 Kilometer hinter uns hatten, begegnete ich Denizz, der an diesem Tag noch nach Straßburg wollte, was ebenfalls auf meiner Route lag, -jedoch zusätzliche 60 Kilometer bedeutete.

Am Himmel waren  bereits Regenwolken zu sehen und so entschloss ich mich kurzerhand, auch aufgrund von mangelnden Anmeldungen die nächsten drei Tagestouren, in zwei zusammenzufassen und noch am selben Tag bis Straßburg bzw. Kehl zu fahren.

Pause in Wörth am Rhein

Pause in Wörth am Rhein

Auf der Strecke wurden wir noch ein ganzes Stück weit von einer weiteren Mitradlerin begleitet. -So ergeben sich unter Radfahrern immer wieder spontane „Fahrgemeinschaften“.

Straßburg – Freiburg – Express

Denizz stellte sich als sportlich, ambitionierter Radfahrer heraus und so rollten wir nach einer erholsamen Nacht bereits am nächsten Morgen um 10 Uhr wieder auf den Rädern Richtung Freiburg. Auf dem Weg machten wir noch einen Abstecher in die Straßburger Altstadt.

Alleine unterwegs, hätte ich diese Strecke in zwei Tagesetapppen aufgeteilt. Doch wenn man dann schon mal zu zweit unterwegs ist, fährt es sich manchmal nur noch halb so schwer.

Straßburg - Freiburg

Kurz vor der deutsch-frazösichen Grenze

Mein linkes Knie teilte mir nach den ersten 80 Kilometern sehr deutlich mit, dass die gestrigen 147 Kilometer samt Gepäck zu viel waren. Nach einigen Dehnungs- und Lockerungspausen, fuhren wir am Nachmittag über die deutsch-französische Grenze nahe Breisach und kühlten uns bei 40 Grad im wunderschönen Whyler-Baggersee ab.

Die letzten 30 Kilometer entlang des Kaiserstuhl bis nach Freiburg waren jetzt wieder gut machbar.

Schließlich kamen wir gegen 20 Uhr, nach über 8 Stunden im Sattel in Freiburg schöner Altstadt an, wo wir unsere Tour mit einem Pizza-Essen ausklingen liessen.

Von Freiburg zum Chiem- statt Königssee

Rinken (1196 m)

Endlich angelangt! -Auf dem Rinken (1196 m)

An meinen 32. Geburtstag wurde ich am Freiburger Konzerthaus mit einem Sektempfang meiner Familie überrascht. Dazu kamen Christian und Ricardo, zwei Freunde die mich am ersten Tag begleiten sollten.

Ricardo, der eigentlich nur auf eine Tagestour eingestellt war, hat es letztendlich so gut gefallen, dass er schließlich eine Zwei-Tages-Tour bis nach Konstanz mitgefahren ist. Am ersten Tag bewältigten wir  den Aufstieg über den Rinken (1196m) von Freiburg (287 m) bis Hinterzarten (893 m). Als wir am frühen Abend schließlich  am Campingplatz am Kirnbergsee  ankamen, freuten wir uns auf einen erholsamen Abend.

Freiburger Konzerthaus

08.08. Zusammen mit Ricardo am Freiburger Konzerthaus

-Entsetzt muststen wir feststellen, dass an diesem Abend ein Konzert einer heimischen Poprockband, „Wilde Engel“, stattfinden würde. Spätestens jetzt wussten wir, dass dieser Abend bzw. diese  Nacht nicht besonders erholsam werden würde.

Schlußendlich schienen um 4 Uhr morgens die letzten Besucher verschwunden. Dementsprechend „ausgeschlafen“ saßen wir am nächsten Morgen bereits wieder auf unseren Sätteln mit Ziel „Konstanz“.

Glücklicherweise ging es an diesem Tag weitestgehend bergab. Aber die wenigen aber steilen Aufstiege machten uns bei den 40 Grad und mehr ziemlich zu schaffen. Vorbei an dem Donauzusammenfluß  und der Aachquelle kamen wir am frühen Abend in Konstanz an, wo wir zu allererst in den Bodensee sprangen. Am Abend zog Sturm und ein starkes Gewitter auf, -an Zelten war kaum zu denken. Glücklicherweise konnte uns ein Freund, der und bereits letztes Jahr begleitet hat, in Konstanz beherbergen.

Ziel – Bodensee-Königsseeradweg

Nachdem sich Ricardo nun endgültig verabschieden musste, ging es für mich bei bestem Wetter und neuer Tour for Life-Flagge, am nächsten Tag nach Lindau. Ab Lindau fuhr ich nun auch offiziell auf dem Bodensee-Königsseeradweg!

Entlang der Schweizer Seite lud der See mit seinem erfrischenden, kristallklaren, türkisfarbenem Wasser immer wieder zum Baden ein.
[pullquote style=“right“]Auf dem Bodensee-Königsseeradweg[/pullquote]

Bodensee

Am Bodensee Höhe Romanshorn

Über Oberstaufen gelang ich an den Alpsee wo ich die erste Nacht wild campte. Darauffolgend ging es weiter bis nach Füssen, wo ein Kurzbesuch in Neuschwanstein auf der „must have seen!“-Liste anstand.

Nach einer durchregneten Nacht schien das Wetter kaum besser zu werden und so ging es an diesem Tag für mich bis Benediktbeuern statt nur bis Nesselwang. Rückblickend war dies eine gute Entscheidung, da es in der Nacht erneut heftig zu regnen begann.

In der Klosterherberge hette ich außerdem die Möglichkeit mein vom Vortag noch nasses Zelt im Heizraum zu trocknen.

Schneller als geplant

Da ich nun ohne Mitfahrer unterwegs war und sich auch niemand mehr gemeldet hatte und Interesse an der Teilnahme bekundete, legte ich nun einen Zahn zu und absolvierte mitunter drei Tagesetappen an zwei Tagen und orientierte mich als Tagesziel an den Campingplätzen.

Eine erholsame Nacht in der Don-Bosco Jugendherberge gab mir die Kraft am nächsten Tag via Bad Tölz nach Prien am Chiemsee zu fahren. Vorher fuhr ich jedoch noch durch Rosenheim, da ich mir die Schotteretappe von Bad Tölz bis zum Schliersee sparen wollte.

warmshowers - Gastgeber

warmshowers – Gastgeber in Prien a. Chiemsee

Das Murnauer-Moos ist meiner Meinung nach definitiv einen Abstecher von der regulären Bodensee-Königssee-Route wert.

Ab Prien mit dem Zug nach Österreich

Dank warmshowers konnte ich die kommende Nacht mit dem Dach über den Kopf bei herzlichen Gastgebern in deren süßen kleinen resturierten Bauernhof verbringen.

Bei Dauerregen und Temperaturen um 15 Grad entschloss ich mich kurzerhand bereits am kommenden Tag mit dem Zug zu meinen Großeltern nahe Schärding zu fahren. Dort verbrachte ich vier Tage und wartete den Regen ab. Zwischendurch unternahm ich eine 100 km Tagestour via Schärding am Inn in die Dreiflüßestadt Passau und wieder zurück.

Auf dem Innradweg über Wasserburg nach München

Statt mit dem Zug nach München zu fahren, setzte ich mich am Samstag, den 22.08. wieder auf mein Rad  und machte mich auf den Weg nach München. Die Routenplanung gestaltete sich schwieriger als gedacht, da meine Großeltern auf Internet und PC verzichten. Letztendlich konnte ich die Route aber auch anhand von Karten und meiner OpenStreetMap-App grob planen.

So fuhr ich am Samstag die ersten 90 Kilometer über Braunau entlang des Innradweg auf deutscher Seite bis nach Marktl, wo ich auf einem gepflegten Campingplatz mit traumhaften Badesee übernachtete. Nicht zuletzt als ich abends auf dem hölzernen Badesteg lag, der noch von der Sonne aufgewärmt war und in den klaren Nachthimmel blickte, wusste ich warum ich mit dem Rad und nicht mit dem Zug gefahren war.

Marktl Camping

Badesee bei Marktl

Als ich am kommenden Tag auf dem Weg in das historische Wasserburg nochmals den Ort Marktl passierte, sagten mir Schilder, dass ich im Geburtsort von „unserem“ Papst Benedikt übernachtet hatte.

In der wunderschönen Stadt Wasserburg hatte ich erneut die Möglichkeit in einem richtigen Bett zu schlafen, da  ich bei einer warmshowers-Gastgeberin übernachten durfte.
Bevor es für mich am nächsten Tag nach München und von dort aus mit dem Fernbus wieder zurück nach Freiburg gehen würde, ließen wir meine zweiwöchige Tour beim Italiener ausklingen.

Ab Wasserburg fuhr ich die restlichen 80 Kilometer bis München auf dem Isar-Innradweg. Hier ging es immer wieder munter bergauf und bergab, was die Strecke recht anstrengend machte. Schließlich musste ich rechtzeitig in München ankommen, da der Fernbus nicht auf mich warten würde. Dass ich mich schlussendlich doch noch verfuhr und ungeplanterweise in Kirchseeon auskam, hat mein großzügiger Zeitplan ausgebügelt.

Bayerische Landschaft

Bayerische Landschaft auf dem Weg nach München

In München hatte ich sogar noch eine Zeit für eine Stippvisite auf dem Viktualienmarkt. Um 16 Uhr überkam mich eine leichte Melancholie als ich mein Fahrrad, dass mir bis dahin so treu gedient hatte, auf den Bus lud um mich in Richtung Heimat fahren zu lassen.
[pullquote style=“left“]Lieber drei Tage Radfahren statt vier Stunden Zug[/pullquote]
Bis zuletzt spielte ich mit dem Gedanken, die letzte Strecke auch mit dem Rad zu absolvieren. Getreu dem Motto: „Lieber drei Tage Radfahren statt vier Stunden Zug bzw. Fernbus“.

Bleibende Eindrücke

Die Tour von Heidelberg nach Freiburg war im Sinne der Tour for Life besonders eindrucksvoll, da mich herzliche Mitfahrer begleitet haben und ich besonders auch der ebenfalls von einem Hirntumor Betroffenen Carolin eine Freude mit der Teilnahme bereiten konnte.
Mein Rückblick auf die diesjährige Tour fällt für mich etwas ernüchternd aus. Ich hatte zwar eine schöne Tour durch eindrucksvolle Landschaft und immer wieder interessante Begegnungen auf dem Weg, jedoch war ich enttäuscht, dass die Resonanz auf mein Angebot mich zu begleiten und sich somit für den guten Zweck einzusetzen, derart gering ausfiel.

-Schließlich habe ich im Vorfeld sehr viel Zeit in die Planung der Route, die Absprache mit Lokalpresse sowie in das Verfassen von Artikeln auf der Web- und Facebookeite investiert.

Letztendlich bin ich mit unvergesslichen Eindrücken zurückgekommen und froh, dass die Tour ohne größere Zwischenfälle verlief.

So bleibt mir nur zu hoffen, dass sich auf den kommenden Touren mehr Mitfahrer und Unterstützer der Tour for Life finden.